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FGA Mitglieder Ausflug in die Dolomiten

Ein Bericht von Niklaus Schwizer

Fliegen in den Dolomiten, ein besonderes Erlebnis. Im Herbst noch in super Thermik auf 3-4000 m aufdrehen, die gewaltigen Bergmassive von oben betrachten und dies mit nicht wenigen Fliegerkollegen teilen, es macht einfach Spass.

Seit Jahren stand dies auf meinem Plan, mit der FGA beim jährlich geplanten Ausflug mitzugehen. Aber leider machte das Wetter nie so richtig mit. Dieses Jahr war es dann endlich so weit. Vom 22. bis 25. September konnte ich meine ersten Flüge in den Dolomiten erleben.

Von der Vorfreude früh geweckt, fuhr ich am Donnerstagmorgen los Richtung Dolomiten. Die etwas langweilige Fahrt bis Innsbruck, Brenner, mit etlichen Zahlstellen, wurde dann Richtung Sella Pass immer interessanter. Die riesigen Felsmassive die sich plötzlich vor mir auftaten, beeindruckten mir sehr. Nach der kaum mehr endenden Passstrasse kam ich dann endlich in Campitello an. Albert und Rosi waren bereits auf dem Col Rodella. Ich packte meine Sachen, denn ich wollte auch so schnell wie möglich auf den Berg. Billet lösen, Delta in die grosse Bahn legen und schon ging es in die Höhe. Oben angekommen ging es nach kurzer Tragstrecke zum Deltaaufbauplatz. Ups, wo kann man da überhaupt noch den Delta aufbauen? Bereits stehen um die 50 Drachen aufgebaut in Wartestellung. Und die Gleitschirme? Ich habe glaube noch nie so viele Gleitschirmpiloten auf demselben Berg gesehen. Es kommt bei mir richtig Fliegerstimmung auf. Nur die dünnen hohen Wolkenfelder, die mich schon den ganzen Weg begleiteten und der Nordwind, stören noch ein wenig. Aber auch diese verschwinden noch, und der Wind dreht auch noch in die Deltastartrichtung. Es kann losgehen, alles bewegt sich in die Luft, ein tolles Schauspiel. Nach dem Start konnte ich schnell an Höhe gewinnen. Mit etwas Ehrfurcht konnte ich die riesigen Felstürme aus einer anderen Perspektive betrachten. Die Thermikschläuche sind sehr ausgiebig vorhanden, sodass du dich als Neuling in diesem Gebiet schnell zu Recht findest. Überall kannst du andere Piloten beobachten, wo der nächste Thermikschlauch steht. Nach einem mittleren Rundflug flog ich zurück zum kilometerlangen Landeplatz hinter der Bahn. In dem bereits von Rosi reserviertem Studio im Kamerloy konnten wir jeweils am Abend über unsere Flüge berichten. Nach günstiger Verpflegung ging es zur Bettruhe, damit man am nächsten Tag wieder gestärkt den nächsten Flug in Angriff nehmen konnte. Im Dorf war nicht mehr viel los, da schon viele Hotels und Pensionen geschlossen hatten.

2. Tag

Heute war ich früher auf dem Berg und fühlte mich, ohne die Anreise, bedeutend fitter. Ich wollte auch früher starten, damit ich das tolle Fluggebiet weiter erkunden könne. Schon eingehängt kam ein anderer Atospilot, ebenfalls schon startbereit, auf den Startplatz zu. Ohne etwas Böses zu denken, liess ich ihm den Vortritt. Was macht den der so lange? Kollegen müssen Schneeballen nach unten werfen, wenn der Schnee nach oben komme, sei es dann gut zum starten. Eine erste Windhose kommt daher, ich weiss kaum mehr wie ich den Atos hinstellen soll, am besten aushängen, und mal die Situation da vorne begutachten. Der Wind hat sich wieder beruhigt und ich hänge mich wieder ein. So und jetzt starten. Neeein ich glaube es nicht, der geht einfach nicht. Jetzt wird es mir zu bunt. Noch nie habe ich ein vor mir wartender Pilot aufgefordert, den Startplatz zu verlassen, aber jetzt war der Zeitpunkt da, ich rief nach vorne, ob ich mal zum Startplatz gehen könne. Er machte mir Platz. Schnell war ich in der Luft und los ging die Reise, diesmal bis über den Karrerpass. Die schönen Wolken auf der anderen Talseite luden mich ein, das Tal zu queren. Leider war dort nichts los und ich flog zurück Richtung Startplatz. Nein, landen wollte ich noch nicht. Tief unten beim Col Rodella konnte ich mich wieder hochkämpfen, ja kämpfen, es ging nicht mehr so gratis wie am Vortag. Nach erreichen der gemütlichen Flughöhe ging die Reise weiter zum Stausee, hinter die Marmolada und dann noch das nächste Tal weit nach hinten bis ich an den Felsen anstand und zurück zum Landeplatz. Der zweite Teil des Fluges war bedeutend schöner als der erste. Die Thermik kam anfangs wie Geschosse nach oben, so genieste ich die ruhige Thermik hinter der Marmolada, obwohl es nicht hoch genug ging um ihr auf die Kappe zu sehen.

3. Tag
Nach zwei Tagen mit lockerem Einstieg in die Thermik, musste ich heute den Einstieg hart verdienen. Ein Spiel mit einer Schar Gleitschirmen begann. Knapp über dem Startplatz ging es nicht mehr weiter und ich entschloss mich, Richtung Sellapass zu fliegen. Weiter ging die Suche nach vernünftiger Thermik. Als ich den Tag schon fast abgeschrieben hatte, fand ich plötzlich doch noch ein Lift, der mich in vernünftige Höhe brachte. Es wurde schon ein wenig eng, war doch sehr viel Betrieb in der Luft. Aber bald konnte ich dem Stau entfliehen und den Flug wieder so richtig geniessen. Oberhalb Soraga traf ich Albert zusammen mit drei weiteren Gleitschirmlern. Höhe machen, war zuerst nicht so einfach. Aber auch ich erreichte die Basis und holte, respektive überholte die vorausfliegenden Gleitschirme. Mit ruhigem Gleiten flog ich bis Kretenende oberhalb Predazzo, in der Hoffnung, dass es dort wieder hoch gehen sollte. Nichts war los und ich kehrte um. Mit Rückenwind und ungemütlichem sinken war ich schnell unterhalb der Krete. Nein absaufen wollte ich nicht, und so kämpfte ich mich wieder hoch. Nach genügend Höhe flog ich zurück Richtung Campitello. Nach absolut ruhigem und gemütlichem Soaring beim Pecol flog ich zum Landeplatz. Heute bläst ein zügiger Talwind. Viele Gleitschirmler machen Aufziehübungen und dies direkt in der Anflugbahn. Ist ja egal, ich fliege eher etwas höher an, kam ich doch gestern eher zu kurz. Dies war jedoch ein Fehler. Mein Atos wollte nicht runter, nein er begann sogar wieder zu steigen. Jetzt wird der grosse Landeplatz plötzlich doch noch zu kurz? Was machen, runterziehen und vermutlich zu weit fliegen, oder langsam versuchen runter zu kommen. Ich entschloss mich für die zweite Variante. Ein kläffender Hund begleitete mich bei dieser Aktion. Schlussendlich kam ich noch vor Landefeldende etwas unsanft zu Boden. Als ich im Hotel ankam, war Albert erst hinter dem Hotel im Landeanflug. Irgendwie musste er heute wieder mal in den „Git inä flügä.“

4. Tag, Sonntag, der beste Tag
Und wieder war der Einstieg nach dem Start schwierig. Es gelang mir trotzdem, den richtigen Einstieg in zuverlässige Thermik zu finden. Welch bockige Sau Richtung Stausee, also, nichts wie zurück Richtung Rosengarten. Dort hinten ist ja ein Gleitschirm, also nichts wie hin. Gemeinsam können wir gemächlich bis zum Kreuz hochsoaren. Ab jetzt konnte ich den Flug so richtig geniessen. In ruhiger Thermik in einer super Höhe über den Gipfeln und über den nordseitigen Wolken, konnte ich ganz alleine meine Kreise ziehen. Es war so schön, dass ich über längere Zeit nicht an ein weiterfliegen dachte. Dies war jedoch erst der erste Höhepunkt, eine Steigerung folgte noch.

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Mein einziger Begleiter verlässt mich

Nach erneutem Flug hinter den Stausee, wollte ich die Marmolada, den höchsten Berg in der Sellagruppe (3342) noch überfliegen. Wie bereits gewohnt, flog ich zum bekannten Thermikeinstieg. Ein suchen war heute nicht nötig. Kaum flog ich um die Ecke, pustete es mich regelrecht in die Höhe. Und schon konnte ich auf die Marmolada runter schauen. Noch schnell ein par Fotos schiessen und dann den Gipfel in Angriff nehmen. He, dieser Gleitschirm könnte doch Hannes sein. Und schon winkte er mir zu. Ein unbeschreibliches Gefühl, zusammen mit einem Fliegerkollegen über der Hütte, nur zu zweit, gemeinsam zu kreisen. Es war schon ein Zufall, Hannes gerade zur gleichen Zeit am selben Ort anzutreffen. Überglücklich über dieses Ereignis setzte ich zum finalen Gleitflug an, zuerst zum südlichen Gebirge und dann zurück zum Landeplatz.

Leider ging das schöne verlängerte Wochenende viel zu schnell vorbei. Ich bin sehr überrascht, wie gut es um diese Jahreszeit hier noch fliegt. Und es waren nicht mal die besten Bedingungen, konnte ich doch beim Xcontest durchstöbern Flüge sehen, wo die Basis noch bedeutend höher war. Mir ist auch klar, dass hier noch weitere Flugdistanzen möglich sind. Die Gleitschirmler haben es bewiesen. Mir ging es eben nicht um die Distanz, sondern um genussvolles Fliegen. Ich bin überzeugt, dass ich hier regelmässig wieder einen Halt machen werde.

Anmerkung des Webmasters: Weitere Bilder der Dolomiten-Reise 2011 findet ihr unter Bilder – Dolomiten 2011

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