Säntis – die Dohlen soaren

Der obligate Ausflug zum Säntisausflug wurde von Philiipp und Roger organisiert.

Das Interesse an diesem geschichtsträchtigen Flugtag war anfänglich gross. Die Vielfältigkeit der inzwischen auf verschiedenen Kanälen angepriesenen Wetterberichte war nicht unbedingt einfach zu interpretieren.

Also, man muss an den Startplatz wandern, um die effektiven Windverhältnisse zu erkunden. Das haben wir gemacht. Wir = Philipp, Roger und Tömi, aber erst nach der heissen Schoggi – Pause im alten Säntis.

Obwohl uns die Bahnfrau vor der lebensgefährlichen Passage beim Felsporn zum Lysengrat gewarnt hat, querten wP1030079ir diese Klippe relativ elegant, ohne die empfohlenen Steigeisen, Seil  und Pickel. Wir erkannten  aber bereits im Lee der grossen Felswand, dass die Winde den Säntis ungünstig anströmten. Die Windrichtung  genügte wohl noch den theoretischen Anforderungen an einen Start vom Chalbersäntis, aber die Wind- Stärke lag wohl zeitweise leicht über der Trimmgeschwindigkeit eines normalen Gleitschirmes. Sofort waren uns die pessimistischen Vorprognosen unserer Kollegen wieder präsent, welche einen unliebsamen Wind prognostizierten. Zuhause auf dem bequemen Kanapee sind Vorhersagen leicht zu verkünden. Diesmal hatten unsere Kanapee – Kollegen recht, der Wind war ein grosses Hindernis.
Unsere langjährige Erfahrung bestärkte unseren unendlichen Optimismus, dass der Wind im Laufe des Tages abnehmen würde. Während unserer Wartezeit beim Chalbersäntis munterte  ein grosses Geschwader von Dohlen unsere Gemüter auf. Im Luftkampf um Rogers Chäsbrot waren mindestens ein halbes Dutzend der schwarzen Flieger beteiligt. Wir lachten und erfreuten uns über diese perfekten Flieger in der Luft.

Dann endlich, die längst erwartete Botschaft von drei Engländern, der Wind im unteren Teil des Säntisaufstieges sei praktisch windstill. Nachdem wir die kurzen englischen Sätze ins Schweizerdeutsch übersetzt haben,  packten sofort unser Gepäck und stiegen den steilen Weg hinunter in Richtung West, wohin, das wussten wir alle nicht so genau. Wir sahen weit unten einen grünen Fleck. Nach einer halben Stunde erreichten wir ‚unsere‘ Startwiese. Thermischer Aufwind, keine Böen, suppi, ja klar, das ist unsere Startrampe!

Dort hinten hat’s noch einen optimaleren Platz, verkündet ein Teilnehmer dieses Ausflugs,  200 m tiefer, ja klar, sieht etwas weniger steil aus. Wir stiegen zu diesem super  Startplatz hinunter und packten unsere Siebensachen aus. Schirm auslegen, Leinen angucken, Ausrüstung ordnen, hui, den Schirm wieder platzieren, Scheisse –  alles rutscht ab, endlich passt alles, leichte Aufwindpriese, umgehend an den Leinen ziehen, kein Gegendruck, nochmals Sch… , nochmals von vorne beginnen.

Hui, es braucht viel Energie, um meinen Kollegen meinen endgültigen Abbruch der Übung zu verkünden. Meinen Lumpen schrumple ich notbehelfsmässig in meinen Sack hinein, in der Hoffnung, dass einer meiner Leidensgenossen ebenfalls das Handtuch wirft. Roger und Philipp ignorierten meinen Resignationsruf und nestelten an ihren Leinen weiter. Roger versucht’s, Schirm schwenkt rechts weg, er gibt nicht auf und legt seinen Schirm wieder aus. Ruck zuck, Philipp zieht seinen Schirm relativ elegant auf und findet sogar Aufwinde und kann sich an der Schafbergwand vorbeischlängeln. Hei suppi, wir freuen uns. . Ich mach mich schon mal wieder auf den langen Aufstieg zum Wanderweg auf. Diese Entscheidung für den Aufstieg nach oben  war wohl nicht schlecht, denn hundert Meter unter unserem super Startplatz wäre eine 200 m hohe Felswand zum Vorschein gekommen. Nach knapp einer halben Stunde erreichte ich endlich wieder den stotzigen  Abstiegsweg zum Schafboden.

Es war inzwischen bereits 16 Uhr, der Abbruch der Thermik war angerückt. Roger entschied sich auch für den Rückzug. Obwohl ich Roger  einen gelungen Start sehr wohl gegönnt hätte, war ich sehr glücklich, dass sich ein Leidensgenosse zu mir gesellte. Eine halbe Stunde später stiegen wir den äusserst mühsamen Weg hinunter zum Schafboden. Immer wieder dachten wir an den zukünftigen Kauf einer Leichtausrüstung. Aber eben….

Wir kommunizierten via Telekommunikation mit unserer Umwelt und verkündeten unseren Liebsten zuhause, dass wir gesund und unversehrt durch die steile Alpsteinlandschaft unterwegs sind, und mit grösster Wahrscheinlichkeit nach  Einbruch der Dunkelheit in einem Chuästall übernachten werden.

Für Roger und mich war’s klar, wir wickeln uns in unserem Gleitschirm ein, und nehmen dann den Rest des Abstieges am nächsten Tag unter die Füsse. Bei Sonnenuntergang erreichten  wir  die Wanderwegs Tafel, welche einen Abstieg nach Unterwasser von  2 h 45 m verkündete. Hui, das wird ja lustig?

Roger erhält eine Mail und anschliessend einen Mobile – Anruf von Philipp. Unser Kollege Philipp kämpft sich durch alle Gebote und Verbote und fährt mit seiner Karre den Bergweg hinauf, hei suppi, er ist bereits in Sichtweite zu uns. Philiipp steigt den steilen Bergweg zum Schafboden hinauf. Sein Stumpen qualmt und den bissigen Rauch wittern  unsere sensiblen Nichtrauchernasen  schon  hundert Meter höher. Suppi, Philipp nimmt mir meinen Gleitschirmsack ab, ich bin so glücklich, ja sehr glücklich. Wir erreichen das Auto, hei, wir realisieren erst jetzt, dass wir doch noch am selben Tag zuhause eintreffen werden. Weitere Bilder sind auf dem FB zu finden.

Vielen herzlichen Dank an Philipp, das ist  eine wirklich starke Leistung. Beschtä Dank.

Trotz allen Ausserordentlichkeiten wars ein super Tag. Ein wirkliches Erlebnis. Nochmals vielen Dank an meine Kollegen.

Gruss Tömi

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