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Fledermäuse fliegen 500 km

Am Samstag 22. April fliegen die Fledermäuse insgesamt über 500 km!! (gemäss Tageswertung OLC) Mit dabei waren Tristan, Roger Thalmann, Anja Kroll, Bianca Drexlmaier, Thomas Müller und Philipp Hug

Roger Thalmann (OLC Archiv)

Endlich war es wieder soweit, und der erste Flug stand auf dem Programm. Philipp hat alles organisiert, sodass wir am Samstag um 10.00Uhr auf dem Eggli in Fanas standen. Die meisten OLC Piloten von der Ostschweiz waren auf der Terrasse vom Restaurant Sassauna anzutreffen. Das gibt mir ja ein lustiger Tag, mit soviel Piloten.11.45 war ich startbereit mit meinem Oasis. Welch Wunder der Start glückte mir (war sehr nervös) Nur noch die Bremsschlaufe um die Hauptgurte entwirren und schon ist die erste Thermik da, kurz eindrehen und nun geht’s in kurzer Zeit auf 3000m. Von der Wolke wegfliegen und da der überraschende Frontklapper, kurzer Blick nach Oben und der Oasis stand schon wieder da in seiner gewohnter Form. Weiter Richtung Chrüz, Höhe Tanken und weiter zur Madrisa. Am Rande Thermik suchen(Madrisa ist bekannt wegen sehr starker Thermik, selber erlebt mit 10 m/s in die Höhe geschossen worden)am Rande der Wolke geht es am Besten hoch, zu hoch sah den Boden fast nicht mehr, Flucht mitte Tal. Da ich schon mitten im Tal bin, bot sich der Gotschnagrat an, Richtung Davos. Nach 10 Minuten stellte sich die Entscheidung als Fehler heraus, keine Wolken mehr nur blauer Himmel. Doch da die Erleuchtung, ich sah ein Xix Schirm mitten im Tal tief unter mir und er schoss in kurzer Zeit bei mir vorbei. Ah ha in der Talmitte zieht die Thermik hoch. Schnell dahin und hoch. Bei 3000 m Abflug Richtung Madrisa, Ankunft unter 2000m vor dem Berg Saaser Calanda, ging nicht rechts ab, weiter Schleichweg vor dem Berg Jägglisch Horn ein bisschen Höhe machen. Schnell die Talseite wechseln wo die Sonne rein brennt. Beim Abfliegen merke ich den Gegenwind von 15 km, aufpassen komme in den Leebereich von Chrüz. Da endlich wieder Steigen, ein bisschen rumplig aber komme gut hoch bis auf 3100m. Weiter zum Startplatz und da noch ein bisschen hochsoaren, Gegenwind 25km. Da haut’s mir noch einen 50% Klapper rein, zum Glück hab ich ein 1-2, der fliegt einfach geradeaus. Jetzt ist Schluss ich bin schon 3 Stunden unterwegs, mein Hals schmerzt, die Hände sind auch schon unterkühlt und ich bin recht müde. Ich entscheide mich zur Landung beim oberen Landeplatz. Nach zwei mal anfliegen hat mich der Erdboden wieder. Im Restaurant genehmige ich mir einen Coup.

 

Thomas Müller (OLC Archiv)

Am Samstag heisst es früh aus den Federn. Ich schau mir den NZZ- Wetterbericht an und fluche vor mich hin. Entgegen den Prognosen des Vortages soll es an den Voralpen bereits ab Mittag gewittern. Das, nachdem fast die ganze Woche super Flugwetter herrschte… Was soll’s, die Bahn ist reserviert und mit Tristan und Roger fahre ich, nicht sehr optimistisch, nach Fanas.

So schlecht kann der Tag ja doch nicht sein. Die Sonnenterasse des Bergrestaurants ist um 10.00 Uhr schon gut besucht und ein Wiedersehen mit den Flugkollegen macht an so einem Tag besonders Freude. Eine gute Stunde später starte ich als einer der Ersten. Die „ Ostkante“ geht super und nach kurzer Zeit geht’s von der Basis (knapp 3000müM), ab Richtung Klosters. Es trägt ausgezeichnet.

Auf dem Rückweg nach Fanas bin schon sehr erschöpft, auch ein komisches Gefühl im Magen und kalte Finger tragen nicht gerade zum Flugspass bei. Am liebsten würde ich in Fanas landen, aber eben… Ich nehme mir vor, bis zur Rheithalquerung durchzubeissen und mich dann zu verpflegen. Bis zum Falknis geht es problemlos und die grosse Querung kann mit guter Höhe in Angriff genommen werden. Erst nach einigen hundert Metern wird die Luft ruhig. Endlich Zeit die klammen Finger durch Armschwingen wieder aufzutauen. Nach dem Genuss eines Riegels und etwas Wasser geht es mir viel besser.

Auf der andern Seite des Tals geht es nicht ganz so gut vorwärts. Die Verhältnisse sind merkbar schwächer. Ohne grossen Höhengewinn weiter zum Walensee. Bei leichtem Gegenwind sinkt es nicht sehr stark und mein Tuch findet immer wieder etwas Thermik. Beim Wendepunkt reicht es dann doch, bis zur eher tiefen Basis. Auf dem Rückweg ein Blick aufs GPS, mit Rückenwind Gleitzahl 20. Da geht’s auch ohne Hammerthermik ganz gut weiter. Ich vermute dass die Querung zum Falknis Endstation bedeuten könnte, es geht einfach nicht mehr richtig hoch. Doch zu früh gezweifelt, am Gonzen finde ich das Ticktet zum Weiterflug. Mit Basishöhe geht es über den silbrig glänzenden Rhein. Der Falknisschlauch schiesst mich nochmals mit 5m/s über die Bergspitze. Der Rest geht ohne Probleme und ich schliesse mit grosser Höhenreserve das Dreieck.

Ich bin total ausgelaugt. Mit grossen Kreisen wird die Höhe abgebaut, für alles andere habe ich weder Lust noch Kraft. Letzte Konzentration, die Erde hat mich nach 5 ¾ Stunden und 130 km wieder. Ich lege mich erst mal hin… Es wird wohl doch langsam Zeit mein 10-jähriges Gurtzeug zu ersetzen.

Tristan – 51km (OLC Archiv)
Um 6.30 Uhr war ich bereits wach und bereit für diesen Tag. Endlich ein gemeinsamer Streckentag in Fanas. Um 8.15 hab ich bei Thomas abgemacht und komme pünktlich an. Das Garagentor geht gerade auf… Thomas ist noch ein bisschen skeptisch wegen dem Wetter und anscheinend haben nicht alle die gleichen Prognosen gesehen, denn anscheinend hat Meteoschweiz die Thermikprognosen ziemlich spät rausgegeben. Auch im Radio tönt es nicht anders: Gewitter bereits am frühen Nachmittag.
Nachdem wir Roger auch abgeholt hatten waren wir schon bald im Rheintal. Thomas erzählte uns von seiner geheimen Idee, die er dieses Jahr unbedingt noch ausprobieren möchte. Ich bin gespannt.
9:45 ging die Bahn hoch und Philipp bestellte via Mobiltelefon schon mal eine „Schoggi“. Oben angekommen sehe ich einige bekannte Gesichter. Sehr viele Piloten und eine Pilotin vom Swing Mustang Team waren da und erwarten wie wir einen spitzen Tag. Ich wurde langsam nervös, denn man konnte schon gut sehen, wie sich die ersten Wattebäuschchen aufzubauen begonnen. Kurz vor 12 Uhr ging ich zum Startplatz, wo ich alles vorbereitete, denn ich hatte das Ziel meinen letztjährigen Rekord von 43km zu brechen.
Kaum sah man die ersten Schirme über dem Startplatz kreisen, wusselte es am Startplatz und jeder wollte so bald wie möglich in die Luft. Ich auch.
Nach meinem Start lief alles wie geschmiert. Ich fand schnell den Einstieg in die Thermik und wurde innerhalt von wenigen Minuten auf 3000m war. Schnell gings weiter zum „Kreuz“ (PS: Das ist auch wirklich der einzige Berg den ich nach dem Sassauna kenne) und konnte dort wieder aufdrehen. Wie Anja, kam auch ich sehr schnell und gut voran und war im Nu in Klosters. Die Wolke dort zog schon ganz kräftig und ich flüchtete Richtung Tal damit ich nicht reingesogen werde mit so viel Reserve (3200m) flog ich dann auch zu dieser ominösen Hütte (Fergenhütte?) und flog ohne einmal gross zu drehen zum Kreuz zurück. Dort begann leider der schlechte Teil meines Tages, denn mir wurde es wirklich wie aus heiterem Himmel schlecht und die Details erspare ich euch hier, jedenfalls bin ich dann noch Richtung Sassauna geflogen, wo ich mich dann aber für die Landung entschieden habe. Nach meiner Landung ärgerte ich mich natürlich… erst 2h sind vergangen und alle waren noch in der Luft und schienen endlos hoch zu sein. Hätte ich doch nur…
Am Landeplatz probierte ich noch ein bisschen im Talwind zu soaren, was eigentlich ganz gut klappte, wobei die Anstrengungen dann doch irgendwann einmal zu gross wurden und ich zusammen mit den anderen in die örtliche Beiz gingen. Dort angekommen versuchten wir „unsere“ Leute zu erkennen, was aber nicht wirklich einfach war, denn die Schirme waren einfach nur sehr hoch.
Am Abend bekomme ich noch ein „Hehe“ vom Präsidenten via Skype, er hat 3km mehr…
Philipp Hug – 54km (OLC Archiv)
Der Tag beginnt, wie der Abend aufgehört hat; mit leichtem Kopfweh. Mit sehr viel trinken, versuche ich dieses loszuwerden. Wir treffen uns wie in der FGA – Rufbox abgemacht um halb zehn bei der Bahn in Fanas. Die Bahn ist restlos ausgebucht, dies trotz der hohen Gewitterwahrscheinlichkeit die verschiedene Berichte verbreiten. Schnell fliegen war für mich angesagt, um wenigstens die Standartroute zu machen und trocken heimzukommen. Oben angekommen gibt’s bei der Lisset ( Bergrestaurant Eggli ) nochmals eine heisse Schoggi, das Kopfweh ist sozusagen weg und ich war guter Dinge…

Da ich zum ersten Mal in der Frühlingsthermik mit meinen neuen UP starte, bin ich ein wenig nervös, war doch von sehr starken Steigen (über neun m/s) an den Vortagen die Rede. Und heute soll’s ja noch labiler werden. Doch alles geht glatt und der Sassauna ist in 5min überhöht. Merklich tiefer als die anderen ‚Mitdreher‘ mache ich mich zur ersten Querung im Halbgas auf den Stelserberg und Chrüz, in der Hoffnung einige Nachfliegern abzuhängen. Am Stelserberg steht nach kurzen suchen wie gewohnt am Seeli der gewünschte Heber. Hier ist Thermik sehr angenehm und grossflächig, so richtig zum geniessen. Etwa 200m unter der Basis steig ich aus dem Lift aus um dann genau unter Wolke rauszukommen. So ist mir recht, denn Wolkenfliegen ist auch mit GPS nichts für mich. Mit der nächsten Querung über das Schranielatobel geht weiter zum Saaser Calanda. Immer schön der Schneegrenze nach, denn so ist kein Kreis nötig. An der Madrisa ist es dann vorbei mit Gemütlichkeit! Das Vario schreit in nie gehörten Variationen, 9,2m/s integriertes Steigen ist nach dem Flug abgespeichert. Der graue Deckel kommt sehr schnell näher. Ohren rein und mit Halbgas Flucht in die hohen, schneebedeckten Berge. Beim Madrisagipfel angekommen, meldet sich die volle Blase, so ein Sch….

chruezHier setze den Wendepunkt, um kein angefeuchtetes Gurtzeug zu riskieren. Bis zum Sassauna fliege ich ziemlich tief zurück, muss aber unterwegs nicht nennenswert aufdrehen, so labil ist die Atmosphäre. Die Wolken sind schon ein wenig schwarz und ich muss es mir immer mehr verklemmen, jeder halbsvernünftige Pilot würde zum Landen ansetzen. Doch der Schlauch an der Südwestflanke des Höreli gibt sein Bestes, meinerseits gebe ich mein Eingreifen zu einem 80% Klapper, aha so geht’s also ab…! Ich setze den Flug weiter zum Vilan fort. Wiederum ist die Aussicht grandios, die Wolken lösen sich wie magisch auf… Vor dem Falknis setze endgültig zum Endanflug zum erst besten Busch in Grüsch an, um einen Rohrbruch zu vermeiden. Fazit; Super schöner Flug mit fatalem Anfängerfehler – trinke viel, aber bitte am Vorabend!

Anja Kroll – 173km (OLC Archiv)

Am Donnerstag sehe ich Melchs Flug Fanas-Fergenhütte-Amden-Fanas. Sensationell! Davon träume ich auch… Zum Glück ist das Wetter am Samstag immer noch gut. Gut? Ach was, sensationell! Die labilste Luft, in der ich je geflogen bin: um 17:30 h noch 5 m/s Steigen über der Madrisa.

Aber alles der Reihe nach: nach dem Start am Eggli läuft alles wie am Schnürchen. Im Null-Komma-Nix bin ich bereits hinter Klosters an der Fergenhütte. Heute ist’s wichtig, nur die guten Schläuche auszudrehen, und alles unter 3 m/s im Geradeausflug mitzunehmen. Zurück am Sassauna drehe ich auf, als ich aus dem Nichts heraus einen Totalzerstörer erwische. Es dauert ein paar Meter, bis mein Schirm nicht mehr vor/hinter/unter mir ist… Danach bin ich nicht mehr ganz so locker, der Schreck steckt mir für den Rest des Tages in den Gliedern.

Weiter zum Rheintal. Zum Gonzen quere ich problemlos. An den Churfirsten ist die Basis tiefer, und es geht langsamer voran. Auf dem Rückweg will ich den Abflug vom Alvier statt vom Gonzen ausprobieren. Das Experiment geht eindeutig aus: die Schirme vom Gonzen kommen mit 500 m mehr Höhe an als ich. Zum Glück ist die Luft so labil, dass ich mich von 1200 m soarend wieder ausgraben kann. Ich verliere dabei etwa eine halbe Stunde. Von der Gipfelhöhe Falknis zurück zum Sassauna ist’s ein Kinderspiel. 130 km sind im GPS, meinTagesziel ist erreicht.

Ich bin müde, der Rücken schmerzt, und ich möchte gern landen. Doch da gibt es noch das 150 km-Jahresziel. So leicht wie heute wird es vielleicht nie wieder werden! Also beschliesse ich, bis nach Klosters zu fliegen, und von dort den Zug nach hause zu nehmen. Es steigt überall, doch kein einziger Kreis gelingt mir mehr im vollen Steigen. Ich fühle mich seekrank. Fliege ich so schlecht, oder ist die Luft so löchrig? Bei Klosters habe ich dann so viel Höhe (3000m+), dass eine Landung dort keinen Sinn macht – also zurück nach Grüsch. Über der Madrisa steige ich mit 5 m/s im Geradeausflug. Mit 3300 m gehe ich in den Endanflug. Ich hoffe nur noch, dass das Vario nicht mehr piept. Über Grüsch muss ich noch 800 m abbauen, und für Wingover und Steilspiralen bin ich zu kaputt. Mein einziger Wunsch und Gedanke: eine sichere Landung! Um kurz nach 18:00 h, nach 6:45 h Airtime geht dieser Wunsch in Erfüllung. 173 km. – Morgen mache ich frei!

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